Vollzeit Schreiben: Traum oder Albtraum?

Bevor ich mich im Sommer 2018 als Autorin selbstständig gemacht habe, habe ich oft nach Erfahrungsberichten zum Thema Vollzeit Schreiben gesucht, um mich ein bisschen besser darauf vorzubereiten. Gefunden habe ich meist nur englischsprachige Blogs. Einige waren ermunternd, andere eher warnend. Heute möchte ich meinen eigenen daruntermischen, und vielleicht kann der eine oder andere ja etwas für sich daraus gewinnen.

Das Verhältnis zum Schreiben ändert sich

Ich denke, das ist nur natürlich. Ich kann dir nicht sagen, wie das bei dir wäre. Ich habe Leute gesehen, die angefangen haben, das Schreiben zu hassen und Leute, die depressive Schwankungen entwickelten. Ebenso gibt es Personen, die sich durch die Veränderung eher befreit gefühlt haben. Da muss jeder in sich selbst hineinhorchen. Ich halte es für einen guten Test, wenn du dir einmal vorstellst, du hättest jetzt jeden Monat NaNoWriMo (müsstest aber dafür nicht mehr zu deinem jetzigen Brotjob gehen).

Dieser Aspekt trifft jeden anders. Ich kann dir nur meine Perspektive geben: Für mich ist es in Ordnung. Meine Liebe zum Schreiben ist immer noch da und ich glaube, sie ist sogar gewachsen. Ich brenne für meine Geschichten und Figuren und ich freue mich auf all die Projekte, die noch auf mich zukommen.

Schreiben wird anstrengender und leichter

Ja, ich weiß, klingt paradox. Nehmen wir nochmal das NaNoWriMo-Beispiel. Im letzten NaNo habe ich den Fehler gemacht, mich mit anderen Teilnehmern zu vergleichen, und dabei öfter den etwas zerknirschten Gedanken gehabt, dass Leute mit Vollzeit-Brotjob neben der Arbeit viel mehr Wörter geschafft haben als ich. Ich konnte das ja täglich sehen. Gerade der November 2018 war ein Monat, in dem ich oft nur langsam vorankam … ärgerlich, nachdem ich doch zuvor noch Wochen mit einem Tages-Output von 3.000 – 4.000 Wörtern hatte. Und dann habe ich erkannt, woran das liegt. Der NaNo ist im Vergleich zu dem, was ich mache, ein Sprint. Das Vollzeit-Schreiben ist ein Marathon. Ich muss mir meine Kraft einteilen, wenn ich es durchhalten will, jeden Monat meine 50.000 Wörter oder mehr zu schaffen. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich war nach meinen NaNos früher immer ziemlich froh, endlich durch zu sein und habe meistens erst mal eine oder zwei Wochen nicht mehr geschrieben. Die Schreib-Akkus sind einfach leer, wenn man das nicht gewöhnt ist. Jeden Tag viel zu schreiben, ist anstrengend.

Es gibt aber auch Bereiche, in denen es leichter wird. Geschichten und Charaktere zu erschaffen bereitet mir immer weniger Probleme, weil ich meinen Arbeitsprozess immer besser kennenlerne, weil ich mich mehr damit befassen kann als früher und weil ich mit jedem einzelnen Projekt etwas über mich und das Schreiben lerne. Das Gehirn gewöhnt sich an bestimmte Strukturen und findet sich schneller in ihnen zurecht. Die Routine ist hier also durchaus etwas Positives. Ich muss nicht mehr über absolute Basics nachdenken und kann mich mehr auf Besonderheiten konzentrieren.

Routine lässt Wunder schrumpfen (und schafft neue)

Es ist schon so, dass die Arbeit das Schreiben auf gewisse Weise ein kleines bisschen entzaubert hat. Vor ein paar Jahren war der Gedanke, einen ganzen Roman zu schreiben noch riesengroß für mich. Ich konnte mir kaum vorstellen, irgendwann auch nur einen Rohentwurf fertigzustellen. Inzwischen passiert genau das ungefähr alle zwei Monate. Es ist jetzt kein wundersames Ereignis mehr für mich, wenn ich Ende unter ein Projekt schreiben kann. (Schön ist es natürlich trotzdem!) Dieses riesengroße Gefühl ist jetzt nicht mehr so stark wie bei den ersten drei Malen. Aber es bringt auch wieder einen neuen Zauber mit: Ich kann jetzt dabei zusehen, wie sich die Ideen, die ich vorher so lange mit mir herum getragen habe, sich auf dem Papier entfalten. Ich muss nicht mehr ganz so sehr der Angst verfallen, dass ich dieses oder jenes Projekt vielleicht niemals werde umsetzen können, weil mir einfach die Zeit fehlt. Ich habe die Zeit jetzt.

Manchmal bin ich außen vor

Vieles, was für andere Schreibende gilt, ist kein Bestandteil meiner Welt mehr. Natürlich kann ich immer noch nachvollziehen, wie es auf der anderen Seite ist. Aber manchmal habe ich das Gefühl, wir leben in verschiedenen Welten. Manche Gespräche werden seltsam. Vor allem, wenn dann Sätze fallen, wie: „Das hat doch nichts mehr mit Kunst zu tun, wenn du so schnell so viele Bücher schreibst.“ oder „Schreiben muss immer Spaß machen, sonst kommt sowieso nichts Gutes dabei heraus.“ Mir macht Schreiben nicht immer Spaß. (Das hat es auch nicht, als ich es noch nebenbei getan habe.) Manche Stellen sind knifflig. Oft genug wollte mich der innere Schweinehund abhalten, weil andere Dinge einfacher gewesen wären, als diese Kampfszene endlich zu schreiben. Die x-te Überarbeitung schlaucht mich, weil ich irgendwann ungeduldig werde und der Text mir auf die Nerven geht. Ich denke, es ist ganz normal, dass nicht alles immer Regenbogen und Zuckerwatte ist.

Und warum spricht man mir ab, dass mein Schreiben bis zu einem gewissen Grad Kunst ist, nur weil ich ein anderes Tempo habe? Aus einer 40-60 stündigen Arbeitswoche ergibt sich doch naturgemäß mehr Text, als aus 1-2 Stunden pro Tag, die man sich an Freizeit dafür freiräumt. Ich denke nicht, dass mein Gegenüber das immer böse meint, aber es macht mich dennoch manchmal traurig.

Das heißt natürlich nicht, dass normaler Autorenaustausch nicht mehr möglich ist. Ist er definitiv. Ich will dir nur zeigen, dass so etwas vorkommen kann, und vielleicht hast du genauso wenig damit gerechnet wie ich. Natürlich hängt das auch immer von deiner Person an sich ab und von den Menschen, mit denen du dich umgibst.

Man braucht viel Disziplin, viel Ehrgeiz, viel Geduld, viel Zuversicht

Ja, ziemlich viel viel, ich weiß. Die gute Nachricht ist, dass man alle diese Dinge auch braucht, wenn man nicht hauptberuflich schreibt. Eine Geschichte zu Ende zu bringen kostet immer Energie und Durchhaltevermögen. Wenn du dich also fragst, ob das Vollzeit-Autorenleben etwas für dich wäre, dann frag dich, ob deine Reserven noch mehr hergeben. Mir fordert es eine Menge Disziplin ab, nicht stundenlang im Netz herumzusurfen, wenn ich eigentlich schreiben sollte. Der Reiz der Ablenkung ist stark. Noch mehr, wenn kein Chef in der Nähe ist, der mir auf die Finger schaut. Der Chef bin ich selbst … und ich bin parteiisch. Als Vollzeit-Autor/in (und wahrscheinlich generell als Selbstständige/r) muss man sich selbst gut beobachten und viel reflektieren. Man muss Strategien finden, um diese allzu menschlichen Schwächen auszugleichen und auszuhebeln.

Geduld und Zuversicht brauchst du, um das Warten auszuhalten. Das Autorenleben besteht zu unglaublich großen Teilen aus Warten. Warten auf Designer, warten auf Testleser, warten auf Lektoren, auf eMails von Verlagen und Agenturen oder einfach nur Schreibkollegen. Manchmal wartet man auch auf eine gute Idee oder auf Post von Behörden. Man wartet im Grunde ständig auf mindestens drei oder vier Dinge. Und währenddessen nimmt man sich das nächste Projekt vor und schreibt weiter, denn man kann nichts davon beschleunigen. Man muss einfach damit klarkommen. Ach ja, die Zuversicht brauchst du, weil niemals alle Antworten positiv sind – oft bekommt man gar keine (und das heißt dann „Nein“) – und weil dich das nicht herunterziehen darf. Jedenfalls nicht länger als ein paar Stunden. Du musst in der Lage sein, das Kinn wieder zu heben und dir zu sagen „Okay, dann weiter im Text“. Es gibt immer einen Plan B.

Es ist schwer, die Balance zu halten

Andere Selbstständige werden mir bestimmt zustimmen, wenn ich sage, dass es eine der größten Herausforderungen ist, weder zu wenig noch zu viel zu arbeiten. Den meisten geht es bestimmt, wie mir am Anfang: Ich habe mich überfordert. An manchen Tagen habe ich mir überhaupt kein Abschalten, keine Freizeit gegönnt. Ich bin zwar abends von meinem Laptop aufgestanden, habe dann aber im Wohnzimmer doch geplottet oder geschäftliche eMails beantwortet oder recherchiert, statt einfach bei einem Film oder einem Buch zu entspannen. Selbstständig bedeutet selbst und ständig und irgendwie denkt man, man könnte alles schaffen, jetzt wo man doch so viel Zeit und sowieso alles in der Hand hat! Aber das funktioniert nicht ewig.

Ich hab mir gesagt „Was machst du denn schon? Du sitzt am Pc, denkst und tippst.“ Aber denken und tippen ist auf seine eigene Art anstrengend und auslaugend. Und es ist ja auch nicht nur das Schreiben. Es ist Korrespondenz, es ist Papierkram, es ist Koordination, es ist Planung, Recherche und jede Menge Geduld.

Wenn du Vollzeit schreibst, musst du es irgendwie schaffen, dir auch die Freizeit zu gönnen. Abzuschalten vom Schreiben, ohne dir heimlich deswegen Faulheit zu unterstellen. Ich musste das erst lernen und es fällt mir manchmal immer noch schwer. Es hilft mir aber, mir jeden Tag meine Leistungen aufzuschreiben. So habe ich es Schwarz auf Weiß und kann den inneren Antreiber etwas beruhigen.

Wenn man überleben will, kann man sich manche Eitelkeiten nicht leisten

Die Idee, jetzt alles schreiben zu können, was ich will, ist schön. Das Problem daran ist: Wenn ich jetzt auf einmal einen Science-Fiction-BDSM-Roman für die Zielgruppe 60+ schreiben will, dann … wird mein Kühlschrank vermutlich leer bleiben. Karten auf den Tisch – wer vom Schreiben leben will, muss sich auf dem Markt umsehen und zumindest wissen, wofür es Käufer gibt (oder einen guten Riecher dafür haben, wofür es Käufer geben könnte). Selbstverwirklichung ist eine tolle Sache und hohe literarische Kunst ebenfalls. Aber wenn es ums Geld geht, dann sollte man darüber nachdenken, wie sich der eigene Anspruch und das finanzielle Überleben vereinbaren lassen. Niemand sollte sich dazu zwingen, etwas zu schreiben, zu dem er keinen Draht hat. Im Idealfall brennt man für sein Genre und lässt es den Leser auch irgendwie spüren. Ich sage nur, dass manche Stoffe und Genres schwierig sind, und dass man dann im eigenen Interesse auswählen muss. Manches ist Verlagen und Agenturen zu riskant. Als Selfpublisher ist man zwar frei, in dem, was man tut, aber man trägt dasselbe Risiko. Du kannst die irrsten Crossover schreiben und veröffentlichen, aber wenn es keine oder nur sehr wenige Käufer dafür gibt, dann wirst du davon nicht leben können.

Den perfekten Zeitpunkt gibt es (meistens) nicht

Der beste Start ins Vollzeit-Autorendasein ergibt sich wohl aus einer passenden Lücke im Privatleben und einem passenden finanziellen Polster für die Startphase. Aber seien wir ehrlich: Den perfekten Moment zu finden, ist schwierig und für manche nahezu unmöglich. Je mehr Verantwortung man trägt, umso mehr muss man planen. Ich denke, wenn man es wirklich und aus tiefster Seele will, dann findet man einen Weg. Vielleicht muss man ihn sich erst schaffen, indem man Dinge plant und in die Wege leitet, Unterstützung sucht, und an sich arbeitet.

Der sicherste Weg ist es, nebenbei zu schreiben solange man irgendwie kann. Das macht den Sprung leichter. Verlagsverträge, ein Agenturvertrag, ein etablierter Platz im Selfpublishing, das kann man sich auch mit Brotjob erarbeiten und dann möglichst elegant hinüberwechseln … es gibt viele Wege. Ich habe diesen gewählt und für mich ist es der richtige; zugleich glaube ich, dass er für viele nicht funktionieren würde.Aber das sollte niemanden entmutigen denn in Wirklichkeit ist es doch so: Man muss nicht Vollzeitautor sein. Es reicht, mit vollem Herzen Autor zu sein.

Gründungszuschuss für die Selbstständigkeit als Autorin

Weil ich oft mitbekomme, dass viele Schreibende gar nicht wissen, dass es den Gründungszuschuss gibt, bzw. dass sie ihn auch für eine künstlerische Tätigkeit beantragen können, dachte ich, ich befasse mich damit mal genauer auf meinem Blog. 

Was ist der Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss ist eine Leistung der Agentur für Arbeit. Er soll Arbeitslosen unter die Arme greifen, die ihre Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche Selbstständigkeit beenden wollen. Bei Einführung des Gründungszuschusses wurde dieser noch fast jedem genehmigt, der die Formalien einhielt … scheinbar wurde die Sache aber recht stark ausgenutzt, sodass es 2012 zu einer Reform kam, die den Zuschuss zu einer Kann-Leistung mit strengeren Voraussetzungen und gekürzten Mitteln machte. Das sollte dich aber nicht abschrecken. Wenn du die Voraussetzungen erfüllst und mit Motivation und Selbstbewusstsein an die Sache herangehst, stehen die Chancen gut!

Der Gründungszuschuss hat die Höhe des ALG-I-Betrages, der dir zustehen würde, und enthält zusätzlich eine Pauschale von 300 € für die Sozialversicherung. Gezahlt wird der Zuschuss für sechs Monate. Man kann eine Verlängerung beantragen, bei der man dann für weitere 9 Monate noch weiterhin die Pauschale von 300 € erhalten würde (den ALG-I-Betrag allerdings nicht mehr).

Der Gründungszuschuss muss nicht versteuert werden, wird nicht auf Einnahmen angerechnet und er muss auch nicht zurückgezahlt werden, egal ob die Selbstständigkeit nach der Förderphase weiterläuft, also trägt, oder nicht! (Es sei denn, du hast die Agentur nachweislich und absichtlich getäuscht, also betrogen.) Dahingehend besteht also kein Risiko. Aber natürlich wird das Amt auch keine Unternehmung fördern, bei der es von vornherein davon ausgeht, dass sie nicht funktionieren wird.

Voraussetzungen, um den Gründungszuschuss zu erhalten

Zuerst einmal dient der Gründungszuschuss ja dazu, die Arbeitslosigkeit zu beenden, was bedeutet, dass man mindestens einen Tag lang arbeitslos gemeldet sein muss, um überhaupt förderfähig zu sein. Außerdem muss an dem Tag, an dem man den Antrag auf Gründungszuschuss stellt (mehr dazu weiter unten), noch ein Restanspruch auf ALG I von mindestens 150 Tagen bestehen.

Zudem ist der Zuschuss nicht als erstbester Ausweg aus der Arbeitslosigkeit gedacht – die Agentur für Arbeit hat stets das Ziel, den Arbeitslosen an den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, also in ein Angestelltenverhältnis! Das heißt, man kommt vor allem dann dafür infrage, wenn die Vermittlungschancen schlecht stehen, etwa weil der Beruf nicht gesucht ist, es keine passenden Stellen gibt, oder weil andere Aspekte (Qualifikation, Alter, soziale Strukturen) dagegensprechen.

Abgesehen von diesen formalen und arbeitsmarktbezogenen Aspekten ist natürlich von Interesse, ob das Unternehmen, das man sich vorstellt, generell tragfähig erscheint. Die Idee einer Tagesstätte für Goldfische ist es vermutlich nicht. Schriftstellerei unter Umständen schon!

Die Agentur schaut auch darauf, ob man persönlich und fachlich für die Selbstständigkeit an sich und für die Tätigkeit, die man sich ausgesucht hat, geeignet ist. Wer keine gastronomische Ausbildung oder handfeste Berufserfahrung hat, wird es vermutlich eher schwer haben, eine Förderung für die Eröffnung eines Restaurants zu erhalten.
Für Autor(inn)en bedeutet das, dass es sehr hilfreich ist, bereits einen Verlagsvertrag vorlegen zu können, einen Schreibkurs gemacht zu haben, erfolgreiche Veröffentlichungen im Selfpublishing vorweisen zu können, oder eben irgendetwas in der Hand zu haben, was der Agentur beweist, dass man sein Handwerk versteht und dass man ein Publikum hat. Man kann hier ruhig alle Register ziehen! Ein gewonnener Schreibwettbewerb (egal wie klein), ein Kurs zum 10-Finger-Schreiben, Gastartikel auf Blogs – das kann alles relevant sein.
Zusätzlich hilft der Besuch eines Existenzgründungs-Seminars dabei, sich auf das Abenteuer Selbstständigkeit vorzubereiten. Oft wird der Abschluss eines solchen im Rahmen der Beantragung von der Agentur gefordert (und gefördert).

Beantragung des Gründungszuschusses

Zuerst muss hier noch kurz ein Begriff geklärt werden. Der Tag der Antragstellung ist nicht der Tag, an dem der fertig ausgefüllte Antrag auf Gründungszuschuss bei der Agentur eingereicht wird, sondern der Tag, an dem das leere Antragsformular dem Antragsteller ausgehändigt wurde! Die 150 Tage Rest-ALG-I-Anspruch, die man vorweisen können muss, dürfen also am Tag der Abgabe des Antrages durchaus schon unterschritten sein. Für Spätentschlossene ein wichtiger Hinweis.

Um den Gründungszuschuss beantragen zu können, muss man mit seinem Bearbeiter das Vorhaben besprochen haben und infolgedessen die Antragsunterlagen persönlich ausgehändigt bekommen. Man kann sie sich nicht einfach online herunterladen.

Für den vollständigen Antrag benötigt man einige Unterlagen. Das sind folgende:

  • Businessplan (Diesen kannst du im Rahmen eines Existenzgründungs-Seminares erarbeiten oder allein verfassen – wozu ich aber eher nicht raten würde. Er enthält die Angaben zur fachlichen Eignung, den Lebenslauf, einen Textteil, in dem du dein Vorhaben und deine Strategien (zum Beispiel bezüglich Marketing) beschreibst, und jede Menge Zahlenmaterial zu deinem Vorhaben.)
  • fachkundige Stellungnahme (Eine sogenannte „fachkundige Stelle“ muss dir bescheinigen, dass dein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist. Das kann beispielsweise ein Steuerberater sein, aber es gibt auch andere Stellen. Befrage dazu am besten deinen Seminarleiter oder deine Agentur direkt. Die IHK ist für künstlerische Tätigkeiten eher nicht die richtige Anlaufstelle.)
  • Nachweis über die Anmeldung der Selbstständigkeit (In unserem Fall am besten das Schreiben des Finanzamtes, in dem es dir deine entsprechenden Steuernummern mitteilt – das hat bei mir zumindest gereicht).

Jetzt nochmal zum zeitlichen Ablauf …

Um nicht an einem formalen Fehler zu scheitern, habe ich mir damals eine Liste der notwendigen Schritte gemacht und diese immer abgehakt.

  1. Arbeitssuchendmeldung (am Tag der Kündigung)
  2. Arbeitslosmeldung (am ersten Tag der Arbeitslosigkeit)
  3. Persönliches Gespräch mit der Bearbeiterin über mein Vorhaben
  4. Anmeldung zum Existenzgründungsseminar (mit Fördergutschein der Agentur)
  5. Besuch des Seminars, Festlegung des Gründungstermines und Erstellung des Businessplans
  6. Einholung der fachkundigen Stellungnahme
  7. Nach Abschluss des Seminars erneutes persönliches Gespräch und Aushändigung des Antrages auf Gründungszuschuss (hier müssen noch mindestens 150 Tage Restanspruch auf ALG I bestehen!)
  8. Offizielle Gründung (steuerliche Anmeldung der Tätigkeit … im Normalfall würde man ein Gewerbe anmelden, aber wir sind ja Freiberufler) – die Gründung muss nach der Antragstellung (7.) erfolgen!
  9. Ausfüllen des Antrages und Einreichung mitsamt allen geforderten Dokumenten
  10. Entscheidung der Agentur abwarten

Wie war das bei mir persönlich

Ich habe direkt im ersten Gespräch mit meiner Sachberarbeiterin anklingen lassen, dass eine Selbstständigkeit als Autorin für mich die größte Option war. Obwohl sie zuerst etwas zweifelnd wirkte, schien sie nach Vorlage meines Verlagsvertrages doch positiv gestimmt zu sein und stellte mir sogar ein paar Fragen dazu, was ich so schreibe und woher meine Ideen kommen. Ich denke, Kommunikation und Offenheit sind definitiv die Schlüssel, wenn es darum geht, diesen ersten Schritt zu machen. Ein gute Verhältnis zu meiner Bearbeiterin zu haben, hat mir sehr geholfen, alles zu bewältigen.

Sie trug mir auf, ein Existenzgründerseminar zu besuchen, also recherchierte ich, wo das in meiner Umgebung möglich wäre und vereinbarte einen unverbindlichen Kennenlerntermin. Mein Gründungscoach war sehr freundlich und gleich angetan von meinem Vorhaben, die Chemie stimmte. Ich benachrichtigte also meine Bearbeiterin und bekam einige Zeit später einen Gutschein für das Existenzgründungscoaching.

Während ich das Coaching besuchte und wir dort den Businessplan (so viele Zahlen!) erarbeiteten, versuchte die Agentur, mich zu vermitteln. Ich schrieb also Bewerbungen für die Stellen, die mir vorgeschlagen wurden und durchsuchte auch mehrmals selbst die Datenbanken. Ich hatte sogar ein Vorstellungsgespräch, wo sich allerdings herausstellte, dass ich für den angebotenen Job persönlich absolut nicht geeignet war. „Zum Glück“ müsste ich hier wohl sagen, denn natürlich habe ich mir im Herzen gewünscht, dass es eher mit der Existenzgründung klappt als mit einem neuen Bürojob.

Als der Businessplan fertig und das Coaching abgeschlossen war, vereinbarte ich ein neues Gespräch mit meiner Bearbeiterin. Wir sprachen ein bisschen über das Coaching, sie blätterte den Businessplan durch, stellte noch einige Fragen dazu und händigte mir dann den leeren Antrag aus. Wir verabschiedeten uns mit guten Wünschen für die Zukunft und einem Lächeln.

Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahr nebenberuflich (also unter 15 Stunden pro Woche) selbstständig als Autorin war, war meine künstlerische Tätigkeit bereits steuerlich angemeldet, weswegen die offizielle Gründung am Gründungstermin hauptsächlich darin bestand, dass ich anfing, mehr als die vorher erlaubten 15 Stunden wöchentlich an meiner Autorentätigkeit zu arbeiten.

Die Antragsunterlagen füllte ich gemeinsam mit meinem Coach aus, stellte die Dokumente zusammen und reichte den vollständigen Antrag dann wenige Tage später persönlich bei der Agentur ein (und ließ mir das auch schriftlich bestätigen). Schon kurze Zeit später (ich glaube ungefähr zehn Tage) flatterte die Bewilligung ins Haus und ich war überglücklich.

Natürlich spiegelt dieser Beitrag nur mein persönliches Wissen und meine Erfahrungen wider und ich kann keine Garantie für irgendetwas übernehmen. Ich will in erster Linie darauf aufmerksam machen, dass es diesen Weg überhaupt gibt, und dass man ihn auch erfolgreich gehen kann.

3 Erkenntnisse aus meinen ersten 60 Tagen als selbstständige Autorin

Ich hatte schon vor meiner Selbstständigkeit eine feste Schreibroutine. Ich habe (fast) jeden Tag vor oder nach der Arbeit (oder während der Mittagspause) geschrieben und an den Wochenenden manchmal richtige Schreibwochenenden eingelegt. Dahingehend fiel es mir nicht so schwer, mich jetzt regelmäßig hinzusetzen und zu tippen … 

Der Druck und das Schreiben

Der große Unterschied ist der Druck. Es ist ein bisschen wie ein dauerhafter NaNoWriMo. Noch bin ich ja in der Förderphase, das heißt, ich bekomme zurzeit den Gründungszuschuss vom Arbeitsamt, um mich in dieser Startphase ganz frei auf meine Selbstständigkeit konzentrieren zu können, und mir eine Basis aufzubauen. Das Ziel ist ganz klar: Nach dieser Zeit an einem Punkt zu sein, an dem ich finanziell ganz auf eigenen Beinen stehen kann. Machen wir uns nichts vor: Um das innerhalb von 15 Monaten als Autorin zu schaffen, braucht man mindestens einen straffen Plan und dazu noch ein bisschen Glück.

Da ich das Glück nicht beeinflussen kann, setze ich also alles auf meinen Plan. Und der lautet: Mindestens alle 3 Monate ein Buch fertigstellen. Da ich meine Projekte sehr detailliert plane, kann ich die ungefähre Wortzahl einer Geschichte inzwischen gut abschätzen und mir anhand des Gesamtwortziels leicht ausrechnen, wie viel ich an jedem Tag schreiben muss, um es zu erreichen. Und damit ist es im Grunde jedes Mal wie ein kleiner NaNoWriMo. Der große Unterschied ist … Wenn du den NaNoWriMo nicht schaffst, dann ist die Konsequenz, dass du dich vielleicht selbst enttäuscht hast. Dann schreibst du dein Buch eben im nächsten Monat fertig. Mehr passiert nicht. Bei mir sind die Konsequenzen jetzt etwas größer. Mein Ziel zu verfehlen, könnte bedeuten, dass meine Selbstständigkeit scheitert.

Nun bin ich jemand, der unter Druck sehr gut funktioniert. Für mich mindert es die Freude am Schreiben nicht und es ändert auch nichts an meiner Leidenschaft. Ich will immer noch für jede Geschichte alles geben, und möchte keine Abstriche wegen einer Deadline machen müssen. Ich mache lieber Überstunden, als etwas Halbgares zu produzieren.

Der Unterschied zum Freizeit-Schreiben früher, lässt sich folgendermaßen ganz gut illustrieren: Wenn ich mich im Feierabend an meinen Text gesetzt habe, dann war mein Ziel „mindestens 1000 Wörter schreiben“. Meistens habe ich das auch geschafft. Aber wenn es nicht gut lief, und sich bei 600 Wörtern alles zäh angefühlt hat, oder ich mittendrin ans Ende des Kapitels gelangt bin, und nicht sofort eine Idee hatte, wie ich die nächste Szene beginnen soll … dann habe ich einfach für diesen Abend schlussgemacht. Ein neues Kapitel an einem neuen Tag zu beginnen, das klingt doch gut – das war immer eine beliebte „Ausrede“ um nicht weiterzuschreiben.
Diesen Impuls habe ich immer noch. An jedem Übergang von Szene zu Szene oder Kapitel zu Kapitel. Nun sage ich mir aber „Nein. Das ist jetzt dein Job. Du schreibst weiter.“ Dann mache ich eine kurze Pause, werfe die Waschmaschine an, und schreibe weiter.

Die Einsamkeit und das Schreiben

Ich bin ein sehr introvertierter Mensch. Ich schöpfe meine Kraft aus ruhigen, zurückgezogenen Momenten. Ich bin gerne mit mir allein. Situationen mit vielen Menschen strengen mich schnell an, und ich tue mich schwer, mit anderen ins Gespräch zu kommen, wenn es keinen wirklichen „Grund“ für ein Gespräch gibt, und es nur darum geht, Smalltalk zu machen.

Natürlich war mir vorher klar, dass das Autorenleben die meiste Zeit über ein einsames ist. Man sitzt eben an seinem Laptop oder Notizbuch und schreibt. Natürlich ist man dabei allein. Und mir hat die Vorstellung gut gefallen. Tut sie immer noch. Trotzdem merke ich, dass es mir manchmal fehlt, zwischendurch mit den Kollegen zu quatschen.

Für mich kam das überraschend. Zumal ich mit den Kollegen natürlich auch nicht nur schöne Zeiten hatte. Wie oft hat man sich über Zickereien geärgert? Trotzdem … irgendwie wäre es manchmal schön, nicht alleine im Zimmer zu sitzen. Ein kleines Autorenbüro mit zwei oder drei anderen wäre was Feines. Wenigstens zweimal die Woche. Einfach nur in einem hübsch eingerichteten Büro mit viel Sonnenlicht sitzen, und dem Tippen und Grübeln der anderen zuhören, während man selbst genau dasselbe tut.

Vielleicht sollte ich in Cafés schreiben, aber da gibt es in meiner unmittelbaren Umgebung leider keine Möglichkeit. Deswegen versuche ich, die fehlende Anwesenheit von Kollegen durch Autorenfreundschaften über die sozialen Netzwerke auszugleichen. So richtig Anschluss gefunden habe ich noch nicht, aber ich arbeite daran.

Das Warten, das Hoffen und das Schreiben

Ich hätte nicht gedacht, dass das Autorenleben aus so viel Warten besteht. Nennt mich naiv, ich habe es verdient.

Inzwischen habe ich 7 Agenturbewerbungen und eine Verlagsbewerbung versendet, und auch schon einige Absagen bekommen. An anderen Stellen warte ich auf den Beginn des Lektorates, oder auf Coverentwürfe, oder auf die Zulassung zur Versicherung bei der Künstlersozialkasse oder auf meinen Steuerbescheid. Ja, das Autorenleben besteht zu einem großen Teil daraus, zu Warten. Man braucht viel Geduld. Zum Glück habe ich die. Ich nutze die Wartezeit zum Weiterschreiben und Weiterplanen. Mein Unterbewusstsein ist dennoch ungeduldig und neugierig. Ich träume inzwischen von Covern, eMails und Telefonaten.

Hoffnung ist auch ein großes Thema. Und Zweifel.
Die meiste Zeit über bin ich sehr positiv und optimistisch. Ich stehe jeden Morgen mit dem Gedanken auf, dass ich den Job machen darf, den ich mir immer gewünscht habe. Ich bin glücklich und stolz auf mich. Ich habe Spaß an dem, was ich tue. Und ich glaube auch daran, dass ich meine Ziele auf lange Sicht erreichen werde.
Trotzdem sind da auch die Tage, an denen ich Angst habe. An denen ich meine Kontoauszüge anschaue und herumrechne und mich frage, wie es wohl in der Zeit nach dem Gründungszuschuss aussehen wird. An denen ich mich frage, was ich mir eigentlich dabei gedacht habe. An denen ich mich frage, ob ich mich nicht überschätzt habe.

Existenzangst ist normal. Ich müsste wahrscheinlich verrückt oder zumindest sehr abgebrüht oder ignorant sein, wenn mir nie diese Gedanken kämen. Das Leben ist kein Roman mit Happy-End-Garantie.
Aber am Ende jedes Gedankenausfluges steht die Feststellung, dass ich mich richtig entschieden habe. Dass ich nicht bereue, mich für dieses Abenteuer entschieden zu haben. Dass ich an mich glaube. Und dass ich, selbst wenn ich scheitere, weitermachen werde. Für mich gibt es nur diesen Weg – allein für diese Erkenntnis hat es sich schon gelohnt.