Der Sprung ins kalte Wasser

Als ich acht war, habe ich beschlossen, Schriftstellerin zu werden. Dann war ich mit der Schule fertig und wurde Bürokauffrau. Jetzt bin ich Dreißig – ich schätze mal spätestens jetzt bin ich das, was ich damals mit „wenn ich mal groß bin“, gemeint habe. In das Schreiben investiere ich täglich ein bis zwei Stunden meiner Freizeit und kratze alles an Konzentration zusammen, das ich am Abend nach einem 8,5-Stunden-Brotjobtag noch in mir finden kann. Das ist schön, aber es ist nicht das, was ich eigentlich will, das ist mir in den letzten Monaten klargeworden. Ich will den ganzen Tag schreiben, plotten, editieren, networken und an meinem Handwerk feilen. Ich will das ganze Paket. Vollzeit. Nicht für einen Monat, nicht für ein Jahr – für immer.

Jetzt mache ich also das Versprechen wahr, das ich meinem Kinder-Ich gegeben habe: Ich greife mit beiden Händen nach meinem Traum. Ich kündige meinen 40-Stunden-die-Woche-Brotjob samt unbefristetem Arbeitsverhältnis. Ob ich mir sicher bin, dass das gut geht? Nein, bin ich nicht – ich habe tierische Angst, dass es schiefgeht, Angst vor dem Papierkram mit Ämtern, Krankenkasse, Versicherungen und allem was dazugehört, Angst vor Risiken, an die ich vielleicht noch gar nicht gedacht habe.

Aber zugleich bin ich auch voller Enthusiasmus und Zuversicht. Ich freue mich auf das Schreiben, auf die Arbeit, auf die Herausforderung und die Überraschungen, auf die neuen Begegnungen und Erfahrungen, die mir diese Entscheidung bringen wird. Die Stimme, die mir jetzt ein gutes Jahr lang ins Ohr geflüstert hat, dass ich am falschen Platz bin, spielt jetzt Bon Jovis It’s my life und ich spüre mit jeder Faser, dass es einfach richtig ist.

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