Gründungszuschuss für die Selbstständigkeit als Autorin

Weil ich oft mitbekomme, dass viele Schreibende gar nicht wissen, dass es den Gründungszuschuss gibt, bzw. dass sie ihn auch für eine künstlerische Tätigkeit beantragen können, dachte ich, ich befasse mich damit mal genauer auf meinem Blog. 

Was ist der Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss ist eine Leistung der Agentur für Arbeit. Er soll Arbeitslosen unter die Arme greifen, die ihre Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche Selbstständigkeit beenden wollen. Bei Einführung des Gründungszuschusses wurde dieser noch fast jedem genehmigt, der die Formalien einhielt … scheinbar wurde die Sache aber recht stark ausgenutzt, sodass es 2012 zu einer Reform kam, die den Zuschuss zu einer Kann-Leistung mit strengeren Voraussetzungen und gekürzten Mitteln machte. Das sollte dich aber nicht abschrecken. Wenn du die Voraussetzungen erfüllst und mit Motivation und Selbstbewusstsein an die Sache herangehst, stehen die Chancen gut!

Der Gründungszuschuss hat die Höhe des ALG-I-Betrages, der dir zustehen würde, und enthält zusätzlich eine Pauschale von 300 € für die Sozialversicherung. Gezahlt wird der Zuschuss für sechs Monate. Man kann eine Verlängerung beantragen, bei der man dann für weitere 9 Monate noch weiterhin die Pauschale von 300 € erhalten würde (den ALG-I-Betrag allerdings nicht mehr).

Der Gründungszuschuss muss nicht versteuert werden, wird nicht auf Einnahmen angerechnet und er muss auch nicht zurückgezahlt werden, egal ob die Selbstständigkeit nach der Förderphase weiterläuft, also trägt, oder nicht! (Es sei denn, du hast die Agentur nachweislich und absichtlich getäuscht, also betrogen.) Dahingehend besteht also kein Risiko. Aber natürlich wird das Amt auch keine Unternehmung fördern, bei der es von vornherein davon ausgeht, dass sie nicht funktionieren wird.

Voraussetzungen, um den Gründungszuschuss zu erhalten

Zuerst einmal dient der Gründungszuschuss ja dazu, die Arbeitslosigkeit zu beenden, was bedeutet, dass man mindestens einen Tag lang arbeitslos gemeldet sein muss, um überhaupt förderfähig zu sein. Außerdem muss an dem Tag, an dem man den Antrag auf Gründungszuschuss stellt (mehr dazu weiter unten), noch ein Restanspruch auf ALG I von mindestens 150 Tagen bestehen.

Zudem ist der Zuschuss nicht als erstbester Ausweg aus der Arbeitslosigkeit gedacht – die Agentur für Arbeit hat stets das Ziel, den Arbeitslosen an den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, also in ein Angestelltenverhältnis! Das heißt, man kommt vor allem dann dafür infrage, wenn die Vermittlungschancen schlecht stehen, etwa weil der Beruf nicht gesucht ist, es keine passenden Stellen gibt, oder weil andere Aspekte (Qualifikation, Alter, soziale Strukturen) dagegensprechen.

Abgesehen von diesen formalen und arbeitsmarktbezogenen Aspekten ist natürlich von Interesse, ob das Unternehmen, das man sich vorstellt, generell tragfähig erscheint. Die Idee einer Tagesstätte für Goldfische ist es vermutlich nicht. Schriftstellerei unter Umständen schon!

Die Agentur schaut auch darauf, ob man persönlich und fachlich für die Selbstständigkeit an sich und für die Tätigkeit, die man sich ausgesucht hat, geeignet ist. Wer keine gastronomische Ausbildung oder handfeste Berufserfahrung hat, wird es vermutlich eher schwer haben, eine Förderung für die Eröffnung eines Restaurants zu erhalten.
Für Autor(inn)en bedeutet das, dass es sehr hilfreich ist, bereits einen Verlagsvertrag vorlegen zu können, einen Schreibkurs gemacht zu haben, erfolgreiche Veröffentlichungen im Selfpublishing vorweisen zu können, oder eben irgendetwas in der Hand zu haben, was der Agentur beweist, dass man sein Handwerk versteht und dass man ein Publikum hat. Man kann hier ruhig alle Register ziehen! Ein gewonnener Schreibwettbewerb (egal wie klein), ein Kurs zum 10-Finger-Schreiben, Gastartikel auf Blogs – das kann alles relevant sein.
Zusätzlich hilft der Besuch eines Existenzgründungs-Seminars dabei, sich auf das Abenteuer Selbstständigkeit vorzubereiten. Oft wird der Abschluss eines solchen im Rahmen der Beantragung von der Agentur gefordert (und gefördert).

Beantragung des Gründungszuschusses

Zuerst muss hier noch kurz ein Begriff geklärt werden. Der Tag der Antragstellung ist nicht der Tag, an dem der fertig ausgefüllte Antrag auf Gründungszuschuss bei der Agentur eingereicht wird, sondern der Tag, an dem das leere Antragsformular dem Antragsteller ausgehändigt wurde! Die 150 Tage Rest-ALG-I-Anspruch, die man vorweisen können muss, dürfen also am Tag der Abgabe des Antrages durchaus schon unterschritten sein. Für Spätentschlossene ein wichtiger Hinweis.

Um den Gründungszuschuss beantragen zu können, muss man mit seinem Bearbeiter das Vorhaben besprochen haben und infolgedessen die Antragsunterlagen persönlich ausgehändigt bekommen. Man kann sie sich nicht einfach online herunterladen.

Für den vollständigen Antrag benötigt man einige Unterlagen. Das sind folgende:

  • Businessplan (Diesen kannst du im Rahmen eines Existenzgründungs-Seminares erarbeiten oder allein verfassen – wozu ich aber eher nicht raten würde. Er enthält die Angaben zur fachlichen Eignung, den Lebenslauf, einen Textteil, in dem du dein Vorhaben und deine Strategien (zum Beispiel bezüglich Marketing) beschreibst, und jede Menge Zahlenmaterial zu deinem Vorhaben.)
  • fachkundige Stellungnahme (Eine sogenannte „fachkundige Stelle“ muss dir bescheinigen, dass dein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist. Das kann beispielsweise ein Steuerberater sein, aber es gibt auch andere Stellen. Befrage dazu am besten deinen Seminarleiter oder deine Agentur direkt. Die IHK ist für künstlerische Tätigkeiten eher nicht die richtige Anlaufstelle.)
  • Nachweis über die Anmeldung der Selbstständigkeit (In unserem Fall am besten das Schreiben des Finanzamtes, in dem es dir deine entsprechenden Steuernummern mitteilt – das hat bei mir zumindest gereicht).

Jetzt nochmal zum zeitlichen Ablauf …

Um nicht an einem formalen Fehler zu scheitern, habe ich mir damals eine Liste der notwendigen Schritte gemacht und diese immer abgehakt.

  1. Arbeitssuchendmeldung (am Tag der Kündigung)
  2. Arbeitslosmeldung (am ersten Tag der Arbeitslosigkeit)
  3. Persönliches Gespräch mit der Bearbeiterin über mein Vorhaben
  4. Anmeldung zum Existenzgründungsseminar (mit Fördergutschein der Agentur)
  5. Besuch des Seminars, Festlegung des Gründungstermines und Erstellung des Businessplans
  6. Einholung der fachkundigen Stellungnahme
  7. Nach Abschluss des Seminars erneutes persönliches Gespräch und Aushändigung des Antrages auf Gründungszuschuss (hier müssen noch mindestens 150 Tage Restanspruch auf ALG I bestehen!)
  8. Offizielle Gründung (steuerliche Anmeldung der Tätigkeit … im Normalfall würde man ein Gewerbe anmelden, aber wir sind ja Freiberufler) – die Gründung muss nach der Antragstellung (7.) erfolgen!
  9. Ausfüllen des Antrages und Einreichung mitsamt allen geforderten Dokumenten
  10. Entscheidung der Agentur abwarten

Wie war das bei mir persönlich

Ich habe direkt im ersten Gespräch mit meiner Sachberarbeiterin anklingen lassen, dass eine Selbstständigkeit als Autorin für mich die größte Option war. Obwohl sie zuerst etwas zweifelnd wirkte, schien sie nach Vorlage meines Verlagsvertrages doch positiv gestimmt zu sein und stellte mir sogar ein paar Fragen dazu, was ich so schreibe und woher meine Ideen kommen. Ich denke, Kommunikation und Offenheit sind definitiv die Schlüssel, wenn es darum geht, diesen ersten Schritt zu machen. Ein gute Verhältnis zu meiner Bearbeiterin zu haben, hat mir sehr geholfen, alles zu bewältigen.

Sie trug mir auf, ein Existenzgründerseminar zu besuchen, also recherchierte ich, wo das in meiner Umgebung möglich wäre und vereinbarte einen unverbindlichen Kennenlerntermin. Mein Gründungscoach war sehr freundlich und gleich angetan von meinem Vorhaben, die Chemie stimmte. Ich benachrichtigte also meine Bearbeiterin und bekam einige Zeit später einen Gutschein für das Existenzgründungscoaching.

Während ich das Coaching besuchte und wir dort den Businessplan (so viele Zahlen!) erarbeiteten, versuchte die Agentur, mich zu vermitteln. Ich schrieb also Bewerbungen für die Stellen, die mir vorgeschlagen wurden und durchsuchte auch mehrmals selbst die Datenbanken. Ich hatte sogar ein Vorstellungsgespräch, wo sich allerdings herausstellte, dass ich für den angebotenen Job persönlich absolut nicht geeignet war. „Zum Glück“ müsste ich hier wohl sagen, denn natürlich habe ich mir im Herzen gewünscht, dass es eher mit der Existenzgründung klappt als mit einem neuen Bürojob.

Als der Businessplan fertig und das Coaching abgeschlossen war, vereinbarte ich ein neues Gespräch mit meiner Bearbeiterin. Wir sprachen ein bisschen über das Coaching, sie blätterte den Businessplan durch, stellte noch einige Fragen dazu und händigte mir dann den leeren Antrag aus. Wir verabschiedeten uns mit guten Wünschen für die Zukunft und einem Lächeln.

Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahr nebenberuflich (also unter 15 Stunden pro Woche) selbstständig als Autorin war, war meine künstlerische Tätigkeit bereits steuerlich angemeldet, weswegen die offizielle Gründung am Gründungstermin hauptsächlich darin bestand, dass ich anfing, mehr als die vorher erlaubten 15 Stunden wöchentlich an meiner Autorentätigkeit zu arbeiten.

Die Antragsunterlagen füllte ich gemeinsam mit meinem Coach aus, stellte die Dokumente zusammen und reichte den vollständigen Antrag dann wenige Tage später persönlich bei der Agentur ein (und ließ mir das auch schriftlich bestätigen). Schon kurze Zeit später (ich glaube ungefähr zehn Tage) flatterte die Bewilligung ins Haus und ich war überglücklich.

Natürlich spiegelt dieser Beitrag nur mein persönliches Wissen und meine Erfahrungen wider und ich kann keine Garantie für irgendetwas übernehmen. Ich will in erster Linie darauf aufmerksam machen, dass es diesen Weg überhaupt gibt, und dass man ihn auch erfolgreich gehen kann.