Mach mal Pause! Auch Autoren können ausbrennen

Wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig. Diese Weisheit habe ich zum ersten Mal von meiner Mutter gehört und sie trifft absolut zu. Man sollte meinen, wenn man das tut, was man liebt, dann sei das kein Problem, denn ständig etwas zu tun, das man liebt, kann ja nicht anstrengend oder zu viel sein … und da liegt der Denkfehler.

Ständig schreiben

Natürlich liebe ich das Schreiben. Aber jeder, der schon mal versucht hat, einen Roman, eine Kurzgeschichte, ein Gedicht oder eine Fanfiction zu schreiben, weiß, dass es nicht so einfach ist. Nur weil man etwas gern tut, heißt das nicht, dass es einen nicht anstrengt, dass es einem nichts abverlangt, dass es keine Kraft kostet … und dass es einen nicht auch manchmal ankotzt.

Jeden Tag acht Stunden lang zu schreiben, würde mich ausbrennen lassen. In meinen jetzt 3 1/2 Monaten als selbstständige Autorin habe ich das bereits gelernt. Ich brauche Atempausen. Ich brauche Tage, an denen ich nicht schreibe. Aber dieser Gedanke steht im Konflikt mit dem Wissen, dass Zeit (gerade in der Gründungsphase) Geld ist. Die sehr ambitionierte Stimme in meinem Kopf, die mir in jeder freien Minute zuflüstert „Du könntest jetzt auch schreiben. Nein, du solltest! Denn in ein paar Monaten ist der Gründungszuschuss weg – und was machst du dann?“ war am Anfang nur schwer abzuschalten. Aber auch wenn sie gute Absichten hat, schadet sie mir auf Dauer.

Um kreativ und motiviert zu bleiben, muss ich Pausen machen. Und vor allem muss ich sie mir auch gönnen. Ich muss es schaffen, die Stimme in dieser Zeit abzuschalten. 

Was mir beim Abschalten hilft

Lesen. Lesen hilft mir tatsächlich, den Kopf von der Arbeit freizumachen, auch wenn das vielleicht für manche paradox klingt. Aber es muss reines Lesen sein. Ich darf nicht nebenbei wieder andere Dinge tun, wie etwa Netflix laufen lassen oder Youtube. Irgendwie bin ich (oder sind wir?) so darauf trainiert, immer mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, dass das Abschalten und die Konzentration auf eine einzelne Sache, zuweilen schwer fällt. Ich versuche, mir das wieder abzutrainieren. Ich will mich wieder auf eine einzelne Freizeitaktivität einlassen können.

Auch das Wissen darum, dass auch diese Auszeit ihren Sinn für meine Arbeit hat, hilft mir. Nur durch unproduktive Tage kann ich schließlich wieder produktiv sein. Nicht an meine Geschichten zu denken, hilft tatsächlich auch meiner Kreativität. Und das ist nicht mal verwunderlich, denn die Wissenschaft sagt ja auch, dass wir oft originellere und bessere Einfälle haben, wenn wir es nicht aktiv versuchen. Dementsprechend sind meine freien Tage im Grunde ein Teil des Schreibprozesses. Ein wichtiger Teil.

Ich denke, die besten Dinge zum Abschalten sind die, die uns wirklich am Herzen liegen und uns besonders viel Spaß machen. Fotografie, ein Spaziergang mit dem Hund, ein langes Freundinnentelefonat, eine Shopping-Tour – ich gönne mir genau das, worauf ich die meiste Lust habe.

Das Problem ist, dass man im ausgebrannten Zustand schon diese Lust meist nicht mehr hat. Deswegen ist es wichtig, gar nicht erst so weit zu kommen.

Pausen einplanen

Inzwischen plane ich meine freien Tage von vornherein ein und beziehe sie auch in die Deadlines ein, die ich mir setze. Mindestens ein freier Tag am Wochenende (meistens Sonntag) ist bei mir Pflicht. An dem anderen erlaube ich mir höchstens 1.000 Wörter oder ein paar eMails zu beantworten. Wahrscheinlich wären zwei ganz freie Tage besser – und manchmal mache ich das auch. Das Ergebnis ist meist ein sehr motivierter und produktiver Montag.

Wenn ich unter der Woche merke, dass ich eine Atempause brauche, dann nehme ich mir auch das Recht heraus, einen Montag, Mittwoch oder Freitag einfach mal freizunehmen. Natürlich muss man sich für so etwas gut genug kennen und darf es nicht zu einer Ausrede für Faulheit werden lassen – so ist es ja immer. Aber warum soll ich denn ein Arschlochchef zu mir selbst sein? Wenn ich spüre, dass es notwendig ist, dann nehme ich mir frei.

Abwechslung auch während der Arbeit

Ich habe festgestellt, dass es mir auch dabei hilft, meine Kräfte ein bisschen zu schonen, wenn ich meine Arbeit flexibler und abwechslungsreicher gestalte. Statt acht Stunden am Stück zu schreiben, senke ich an manchen Tagen das Schreibziel auf 2.000 Wörter (4.000 ist mein normales Tagesziel) und mache mit der restlichen Zeit etwas anderes. Etwas, auf das ich gerade mehr Lust habe, was sich in dem Moment schon fast wie Freizeit anfühlt. Zum Beispiel Recherche zu interessanten Themen, Fachliteratur lesen, Klappentexte schreiben, oder mich um Buchcover und Marketing kümmern. Manche Sachen können schnell zur Zeitfalle werden (social media, ich meine dich!), aber auch hier muss man sich eben wieder ein bisschen beobachten und sich im Griff haben. Die Abwechslung tut mir auf jeden Fall gut und schont meine Schreib-Akkus.

So wie jeder von uns seinen eigenen Schreibprozess hat, muss auch jeder seine eigene Philosophie für das Energiemanagement finden. Ich denke, der erste und wichtigste Schritt ist die richtige Einstellung und ein klarer Blick auf die Tatsachen – nämlich, dass nichts falsch an uns ist, wenn wir nicht jede einzelne Minuten an jedem einzelnen Tag schreiben können und wollen.