Wie, du hast gekündigt?

Als Kinder haben wir uns in die Poesie-Alben geschrieben, wie wichtig es ist, an Träumen festzuhalten. Aber wenn man sich dann als Erwachsener dafür entscheidet, das tatsächlich zu tun, ist es auf einmal nicht mehr so einfach. Vor den Reaktionen auf mein „Outing“ hatte ich Angst. Nicht davor, als Träumer abgestempelt oder belacht zu werden – damit kann ich umgehen. Ich hatte Angst, dass die Menschen, die mir am wichtigsten sind, versuchen würden, mir meine Entscheidung auszureden, oder mir ein schlechtes Gewissen zu einzureden.

Familie

Mein Freund stand von Anfang an hinter mir. Und damit meine ich wirklich von Anfang an. Er unterstützt mich seit Jahren bei meinen Schreib-Aktivitäten und hat mir vor ein paar Jahren die Teilnahme an einem Schreibkurs zum Geburtstag geschenkt. Er hat mir gesagt: „Wenn du das machen willst, dann mach es!“

Meine Eltern machen sich Sorgen um meine finanzielle Sicherheit und ich glaube, mein Vater hält mich für naiv. Unser Gespräch lief in etwa so:
Er: „Dafür braucht man viel Disziplin. Wenn du selbstständig bist, kannst du nicht einfach sagen ‚Ach, heute habe ich keine Lust‘.
Ich: „Das ist mir bewusst. Ich habe mir einen Tagesplan gemacht. Ich werde um sechs aufstehen, von sieben bis zwölf —“
Er (unterbricht mich lachend): „Du würdest um sechs aufstehen, wenn du ausschlafen könntest? Sicher?“
(Man muss wissen, dass ich in meinem Brotjob in der Frühschicht regelmäßig halb fünf aufgestanden bin. Ich bin ein Morgenmensch. Um sechs ist eine super Zeit für meine Produktivität!)
Ich: „Ja, absolut. Das werde ich.“

Richtig überzeugt schien er mir nicht, aber mit dem Satz „Du bist erwachsen“ war die Sache dann erst mal abgehakt. Inzwischen sind beide gespannt, wie sich die Sache bei mir entwickeln wird und ich bin sehr, sehr erleichtert, dass ich nicht auf mehr Widerstand gestoßen bin.

Freunde

Meine Freundinnen haben den gesamten Entscheidungsprozess hautnah miterlebt. Ich war schon über ein Jahr sehr unzufrieden mit meinem Brotjob und sie haben es ausdauernd und geduldig ertragen. Entsprechend begegnen die Ladys meiner Entscheidung wohl auch mit Erleichterung darüber, dass ich nicht mehr so viel herumjammern werde 😉  Meine Entscheidung wurde also positiv aufgenommen und ich glaube und hoffe, dass sie mich auch weiterhin von Herzen unterstützen werden.

Bekannte

Bekanntschaften, egal ob nahe oder flüchtig, haben durchweg überrascht bis begeistert reagiert. „Ist ja cool!“ lautete der O-Ton.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass selbst die Gespräche, die ich am Anfang als schwierig eingestuft hatte, nicht so schlimm waren. Ich glaube, meine Leute konnten spüren, wie ernst ich es meine. Es hat mir definitiv geholfen, im Vorfeld viel zu Themen wie Krankenversicherung, Steuererklärung und Hilfe vom Amt zu recherchieren, denn so konnte ich auf kritische Fragen auch gleich fundierte Antworten geben.

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